leobri

Warum das Meer

Man sagt, das Meer sei weniger erforscht als das Weltall. Vielleicht ist es auch gut so, dass nicht all seine Geheimnisse geteilt werden, aber wir hören gerne zu, wenn es manche Früchte mit uns teilen möchte. Das Meer ist flüssig, im Gegensatz zum Land. (Obwohl ja der Erdkern auch flüssig ist, aber das ist eine andere Geschichte…) Da ist ein flüssiges Material, das den Großteil der Erde ausmacht, blau, türkis, grau, weiß, braun, schwarz in der Nacht, schäumend. Es ist bewegt und in Bewegung, wie Worte. Festhalten kann man es nicht. Es ist flüchtig und dabei uralt. Es ist ein Meer aus Metaphern … und Geschichten.

Das Meer ist ein transkultureller Raum, der Grenzen verwischt, weil alles fließt. Der Wind und das Wasser bringen Geschichten und Orte, Menschen und Sprachen zusammen. Es gibt ein Sprichwort für die arabische Sprache: Die arabische Sprache ist wie ein Meer. Versunkene Städte, verlorene Wörter, noch zu erzählende Geschichten auf dem Grund. Romantische Melancholie und Saudade am Abend. Leonie ist rudern gegangen und ein Meereswesen. Aber kein Meerschweinchen. Bri war auf dem Boot in der Irischen See und malt Wale. Irland. Eine der größten Auswanderernationen. Welche Geschichten haben sie sich unterwegs erzählt? Das Meer, vor allem das Mittelmeer ist aber auch in den letzten Jahren ein ganzer anderer Ort geworden, ein Friedhof, wo Menschen durch die EU-Abschottungspolitik ihr Leben lassen mussten. Das Meer, eine Naturgewalt, die von den Menschen nicht gebändigt werden kann, aber gegeneinander ausgespielt wird. Das Meer nicht als verbindender Raum, sondern als Grenze, als Graben, der nicht überwunden werden soll. Das Meer, ein Ort der Seefahrt und europäischen Expansion. Wo romantische Geschichten von Entdeckern und Eroberern erzählt werden, verbirgt sich die Realität des Kolonialismus und der Ausbeutung. Welche Geschichte(n) wurden nicht erzählt? Und von wem wurde eigentlich Europa entdeckt?

Wird Venedig eine Stadt wie Atlantis? Das Meer verschluckt Städte und Landschaften, ist aber auch selbst bedroht. Korallenriffe und ihre Meeresbewohner schillern nicht mehr wie bunte Früchte am Meeresgrund, sondern ergrauen und sterben ab. Riesige Fischschwärme sind Seemannsgespinste. Auch diese Geschichten wollen wir genauer erforschen. Wie kam das Plastik ins Meer? Wer heißt heute Pirat und warum? In welche Häfen steuern die Schiffe der Fischfang-Giganten?

Die Reise beginnt. Wir tauchen unter. Sammeln, hören zu und verknüpfen. Was wir finden, lassen wir euch ab Frühjahr 2020 hören.