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Über Frutti di Mare

Das Meer rauscht in meinen Ohren. Wind weht auf meiner Nase. Der Horizont segelt verloren auf einer Linie. Auf und ab. Knirschend schwankt ein Esel über die Sandkörner.

Wir sind gestrandet. In einem Hinterhof erahnen wir das Kreischen der Möwen. Es riecht nach Zitronen. Mülltüten rascheln im Wind, der von alten Rezepten erzählt. Angebratene Zwiebeln. Salz. Jemand ruft. Ein Hilferuf: SOS. Waren wir das, die geschrien haben? Wir blicken uns an. Stellen fest: wir haben unseren Anker verloren und geangelt schon lange nicht mehr. Sind ja Vegetarierinnen. Was tun?

Bri sagt: Leo
Leo sagt: Bri
Und dann, aus synchron bewegten Lippen:
„Lass uns ein Netz knüpfen aus Geschichten, mit dem die angespülten Dinge Sinn ergeben. Lass uns Taue aus Seemannsgarn flechten, die uns Halt finden lassen.“

Wir sind Leonie und Bri, Mitstudentinnen, Theatermacherinnen und Freundinnen. Uns verbindet die Freude an Kaffee und Erzählen, und eine gewisse Meeressucht. Darum haben wir im Herbst 2019 beschlossen, Geschichten vom Meer zu sammeln und zu erzählen.

Das Meer ist Sehnsuchtsort von Vielen, es ist auch ein zum großen Teil den Menschen unbekannter Ort, eine Naturgewalt, die sich nicht beherrschen lässt, kann Urlaub, Ruhe, Schiffbruch oder Tod bedeuten. Wir nennen uns Frutti di Mare, weil wir Geschichten hören und erzählen möchten aus dem Meer und aus seiner Nähe, und da diese Geschichten dem Meer entwachsen sind, sind sie für uns auch Früchte, die wir gerne Ernten, schmecken, oder auch mit Vorsicht untersuchen wollen. Geschichten kann man hören, aber auch riechen, fühlen und schmecken. Sie können satt machen, süße Wärme verbreiten oder Bitterkeit. Wie Früchte. Frutti di Mare lädt ein, die Geschichten des Meeres wie Früchte zu kosten.

Bri Schröder

liebt allerlei Sprachen und deren Grammatik, Clowns und Mime, spricht mit Vögeln, tanzt zu Rihanna und ist gerne im Stummfilmkino.

Leonie Ahmer

wollte als Kind zum Zirkus, verlor sich in Büchern und einem Geschichtsstudium, um dann doch Theater zu machen, wäre manchmal gern ein Esel und träumt nicht selten von Kaffee.